Evangelisch
in Unterbarmen

Gemeinsam. Glauben. Leben.

Ein Leben von Gott ­geführt und gesegnet

Interview mit Marie-Luise Dahlhaus-Floeck

Thomas Fuchs: Liebe Marie-Luise, wir kennen uns vor allem aus dem Gottesdienst in unserer Unterbarmer Hauptkirche. Ich weiß, dass Du Dich seit Jahren für die Sammlung zugunsten des Projektes „Agape“ einsetzt. Was ist das genau?

Marie-Luise Dahlhaus-Floeck: „Agape“ ist ja das griechische Wort für „Liebe“ – und zwar hier für „Nächstenliebe“. Agape e. V. ist ein Verein, der sich seit dem Umsturz in Rumänien (1989) in Siebenbürgen um verwahrloste Kinder in Heimen und Spitälern kümmert. Der Verein hat an Arbeitsumfang sehr zugenommen und nach einiger Zeit in der rumänischen Stadt Alba Iulia mit seiner Arbeit begonnen. Dafür werden Geldspenden und Sachspenden gebraucht. Wuppertal ist ein Sammlungsort von vielen in Deutschland, und wir sammeln in unserer Stadt in mehreren Gemeinden alle paar Monate Kleidung und für die Weihnachtssendungen auch haltbare Nahrungsmittel.

In Sercaia, ebenfalls Siebenbürgen, konnten wir eine evangelische Kirche samt Gemeindehaus in Stand setzen und für unsere Arbeit nutzen. Zusätzlich wurde uns Land zur Verfügung gestellt, um ein kleines Kinderdorf für 52 Plätze aufzubauen. 1993 war ich anlässlich der Einweihung selber mit einem Transport dort.

Th. F.: Wie bist Du überhaupt an die Agape-Aktion gekommen?

M.-L. D.-F.: Im Jahr 1990 habe ich von einem Bethel-Mitarbeiter, Herrn Rüdiger Fradermann, von einer Fernsehdokumentation über rumänische Kinderheime gehört, die man eher als „Sterbeheime“ bezeichnen konnte. Die Kinder dort wurden weitgehend sich selbst überlassen, gerade einmal mit dem nötigsten Essen versorgt, aber praktisch ohne Betreuung. Gewalt der Älteren untereinander und gegenüber den Jüngeren war allgegenwärtig. Viele der kleineren Kinder haben erst sehr spät überhaupt das Laufen und Sprechen gelernt; sie wurden viel zu lange in ihren Bettchen gehalten.

Mein Bruder hatte ebenfalls von den dortigen Zuständen erfahren und mich gefragt, ob ich in meiner Gemeinde nicht eine Sammlung starten könnte. So habe ich einfach angefangen, und heute sind wir in Wuppertal sechs Leute, die das hier organisieren.

Th. F.: Rumänien ist seit längerer Zeit Mitglied der Europäischen Union. Wieso gibt es dort solche Armut, der aus dem Ausland entgegengewirkt werden muss?

M.-L. D.-F.: Das liegt vor allem an den Preisen, die so hoch sind wie in Deutschland; aber viele Leute müssen mit Einkommen von 1.000 € oder weniger auskommen.

Th. F.: Erzähl mir doch bitte kurz aus Deinem eigenen Leben. Was war Dein Beruf?

M.-L. D.-F.: Ich bin in Herford aufgewachsen und habe eine Ausbildung als Krankenschwester absolviert, danach noch eine als Hebamme, weil ich gerne nach Übersee in die Mission gehen wollte; in der Mission musste man das zweite ja auch können. So war ich dann um die 12 Jahre auf der Insel Mentawai in Indonesien.

Ab 1977 habe ich in Karlsruhe eine Weiterbildung gemacht, um in Menden/Sauerland eine Diakoniestation aufbauen zu können. 1982 habe ich meinen Mann kennengelernt, der aber leider nach fünf Jahren an Krebs verstorben ist. Danach wurde ich Gemeindeschwester auf Hatzfeld, wo ich u.a. einen Mütterkreis geleitet habe. Von den damals ca. 30 jungen Müttern sind jetzt noch zehn Großmütter und Urgroßmütter übrig. Seit 1996 bin ich in Rente, aber ich leite den Kreis immer noch. Wenn ich auf all das, was ich in aller Kürze berichte, zurückblicke, empfinde ich mein Leben als von Gott geführt und gesegnet. Dafür bin ich sehr dankbar.

Th. F.: Wie nimmst Du die Entwicklung von Kirche in unserer eigenen Gemeinde wahr? Wie sieht Dein Ausblick auf unsere Zukunft aus?

M.-L. D.-F.: Ich nehme zu wenig Gemeindeaufbau wahr. Außerdem kommt in den Predigten Jesus einfach zu kurz. Meiner Meinung nach müsste er mit seiner Signalwirkung mehr in den Vordergrund gerückt werden. Die „Nachfolge Jesu“ kommt einfach zu kurz; schließlich ist Gott doch auch in Unterbarmen und möchte auch hier Gemeinde bauen.

Th. F.: Was wünschst Du Dir darüber hinaus persönlich für unsere Gemeinde bzw. Gemeindearbeit?

M.-L. D.-F.: Dass mehr auf die einzelnen Menschen zugegangen wird.

Th. F.: Marie-Luise, ich danke Dir für dieses Gespräch. Und ich danke Dir, dass Du weiterhin für die Agape-Sammlung einstehst.

Foto: © Annette Lübbers/vem