Evangelisch
in Unterbarmen

Gemeinsam. Glauben. Leben.

Der Rott ist meine Heimat

Interview mit Birgit Röhrig

Henriette Sauppe: Liebe Birgit, seit vielen Jahren bist du Prädikantin in unserer Gemeinde, im Presbyterium aktiv, in der Frauenhilfe, beim Gemeindebrief, um nur einiges zu nennen. Wie hast du es geschafft, seit so vielen Jahren mit Freude dabei zu sein?

Birgit Röhrig: Das frage ich mich auch manchmal (lacht). Für die Mitarbeit im Presbyterium fragte damals Bezirkspfarrer Axel Zaum (Bezirk Unterbarmen Ost, Eichenstraße). Da war ich gerade 21 Jahre alt. Für den Pfarrer war ich keine Unbekannte, denn meine Mutter war dort als Küsterin tätig und in der Frauenarbeit aktiv.

Henriette Sauppe: Das ist ja interessant! Ich bin dieser Anfrage an dich sehr dankbar. Dein damaliger Pfarrer hat viel Potential in dir gesehen, von dem wir bis heute im Presbyterium profitieren. Schließlich feierst du in diesem März dein fünfzigstes Dienstjubiläum im Presbyterium.

Birgit Röhrig: Das ist richtig. Im März 1976 bin ich als Presbyterin eingeführt worden.

Henriette Sauppe: Warst du dir damals sofort sicher, dass du dieses Amt ausführen möchtest?

Birgit Röhrig: Man muss sich die damalige Situation vorstellen. Das Presbyterium bestand aus vielen alten Herren und einer älteren Frau. Die Männer kamen in schwarzen Anzügen sonntags in den Gottesdienst. Und nun sollte ich mit 21 diesem Kreis beitreten? Die Fragen waren schon, was von mir verlangt wird und wie ich da auftreten muss. Und was ist, wenn ich gewählt werde und ein alteingesessener Presbyter deswegen ausscheiden muss? Pfarrer Zaum hatte mir aber Mut gemacht, es einmal zu versuchen, da ich schließlich auch aus der Gemeinde vorgeschlagen sei. Nach der Wahl bin ich dann alleine in der Rotter Kirche in den Presbyterdienst eingeführt worden.

Henriette Sauppe: Und bist über all die Zeit hinweg dabeigeblieben. Das muss man erstmal wollen und schaffen! Schließlich hat sich auch die Kirche und unsere Gemeinde in dieser Zeit sehr verändert.

Birgit Röhrig: Sicherlich. Ich könnte lange erzählen, wie viele Pfarrer ich in dieser Zeit kennen gelernt habe. Auch habe ich weitere Aufgaben übernommen und war seit Dezember 1995 stellvertretende Presbyteriumsvorsitzende der Kirchengemeinde Unterbarmen Ost bis zur Fusion der Kirchengemeinden 2006.

Henriette Sauppe: Auch keine einfach Aufgabe, wenn man bedenkt, dass das Amt der Presbyterin und des Presbyters ein ehrenamtliches ist.

Birgit Röhrig: Ja, trotz der vielen Ehrenämter habe ich immer hauptamtlich in der städtischen und später der kirchlichen Verwaltung gearbeitet. Ich war in der Kreissynode und in vielen Ausschüssen der Gemeinden. Heute frage ich mich manchmal, wie ich das alles geschafft habe (lacht).

Henriette Sauppe: Denn die Ausbildung zur Prädikantin hast du auch absolviert und leitest seitdem beständig und fröhlich unsere Gottesdienste. Erzähl doch bitte, wie da die Anfänge waren.

Birgit Röhrig: 1987 wurde ich von Pfarrer Falkenroth angefragt, ob ich Lust hätte, mich als Prädikantin weiter zu bilden. Ich habe sofort zugesagt! Denn die Frauenhilfsgottesdienste an den entsprechenden Gottesdiensten habe ich damals schon gehalten. Es gab eine Warteliste, aber 1991 konnte ich den Kurs beginnen. Die Ordination ist im November 1993 unter Pfarrer Rekowski gewesen.

Henriette Sauppe: Hat dich in allem auch deine Mutter in ihrem Beruf als Küsterin geprägt?

Birgit Röhrig: Es war selbstverständlich, dass wir evangelisch waren und damit zur Kirche gehörten, hier besonders zum Bezirk Eichenstraße. Es war klar, dass ich während der Schulzeit den Kindergottesdienst besucht habe. Als Familie waren wir gemeinsam auf Freizeiten. Es gab eben dieses Selbstverständliche. Wir waren eine Familie, die in und mit der Gemeinde lebte, egal wo Hilfe gebraucht wurde. Schon als 9-Jährige bin ich mit meiner Mutter über den Rott gelaufen und habe Gemeindebriefe verteilt. Und war mit ihr bei den Adventssammlungen dabei, als wir ebenfalls bei den Menschen vorbeikamen. Das prägte mich für mein Leben. Aus der Gemeinde haben mich die Gemeindehelferinnen Erika Schubert (Unterbarmen Ost) und Gertrud Wolff (Unterbarmen Süd) geprägt.

Henriette Sauppe: Der Rott ist deine Heimat.

Birgit Röhrig: Das stimmt. Ich fühle mich hier sehr wohl. Ich bin in Wuppertal geboren und habe dann in der Eichenstraße gewohnt. Dort ist auch meine Mutter geboren. Als ich in Ratingen Gemeindeamtsleiterin war, kam der Vorschlag dorthin zu ziehen, aber das wollte ich nicht.

Henriette Sauppe: Wie von niemandem sonst in der Gemeinde habe ich das Gefühl, dass du die Menschen auf dem Rott kennst. Weißt, wer in welcher Straße wohnt. Deine Konfirmation ist auch in der Rotter Kirche gewesen, richtig?

Birgit Röhrig: Das stimmt. Konfirmiert wurde ich am 9. März 1969 von Pfarrer Otto Hofmann. Damals hat man den Konfirmationsspruch zugesprochen bekommen. Meiner wurde von Pfarrer Hofmann und von der Gemeindehelferin ausgesucht. Er steht in Psalm 73, 28: „Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott, den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.“ Nach der Konfirmation war ich weiter in der Gemeinde aktiv. Ich habe die Jungschar selbstständig geleitet und als Helferin im Kindergottesdienst mitgearbeitet. Als Teamerin war ich auch viele Jahre bei Konfifreizeiten und im Konfiunterricht dabei. Auf Vorschlag des Presbyteriumsvorsitzenden und mit Genehmigung des damaligen Superintendenten, habe ich den Konfiunterricht sogar anderthalb Jahre eigenverantwortlich leiten dürfen und die Gruppe später auch mit eingesegnet.

Henriette Sauppe: Was macht dir besonders Freude an Gottesdiensten und Amtshandlungen?

Birgit Röhrig: Es freut mich, wenn mich Menschen vom Rott anfragen, ob ich eine Hochzeit, Taufe oder Beerdigung übernehmen würde. Ich finde es schön ins Gespräch zu kommen, weil ich die meisten Menschen kenne und sie mir nicht fremd sind. Nach den Gottesdiensten freue ich mich, wenn ich den Menschen etwas mitgeben konnte oder sie mir sagen: „Da haben sie einen guten Satz gesagt!“

Henriette Sauppe: Was ist deine schönste Erinnerung, die du mit der Kirchengemeinde Unterbarmen verbindest, beziehungsweise mit dem alten Bezirk Ost und mit der Rotter Kirche?

Birgit Röhrig: Das ist schwer zu sagen, denn es sind zu viele schöne Erinnerungen. Beispielsweise die Freizeiten – egal ob mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen. Ich war aktiv dabei und habe so viel mitbekommen. Heute vermisse ich teilweise ein persönliches Engagement und tatkräftige Unterstützung der Menschen in Gemeindedingen. Grundsätzlich bin ich sehr dankbar, dass die Rotter Pfarrer*innen mich immer gefordert und gefördert haben. Dass ich dabei sein konnte, akzeptiert wurde und meine Vorstellungen einbringen konnte. Dass im Positiven wahrgenommen wurde, was ich gemacht habe. Bei alledem war es mir immer wichtig, mich weiterzubilden und eine fundierte Grundlage für mein Tun zu haben.

Henriette Sauppe: Und wenn du einmal nicht für die Gemeinde aktiv bist. Womit beschäftigst du dich sonst gerne?

Birgit Röhrig: Ich lese gerne. Handarbeiten und Basteln liegen mir.

Henriette Sauppe: Und auch da hast du gerade im Dezember deine gebastelten „Gesangbuchengel“ an die Damen der Frauenhilfe verschenkt! Danke für all deinen vielfältigen Einsatz über all die Jahre hinweg und unser Gespräch.