Unsere kostbare Chance auf Bewahrung der Schöpfung

Liebe Gemeinde,
der Monat September hat etwas seltsambegonnen, als der amerikanische Präsident Menschen im Bundesstaat Alabama mit einer Twitter-Nachricht in Angst und Verwirrung gestürzt hat. Er schrieb, der Hurrikan Dorian würde verheerend dort eintreffen. 20 Minuten später musste der der amtliche Wetterdienst auf Twitter das richtigstellen: „Alabama wird keine Auswirkungen spüren.“ Eine mit Filzstift in eine Wetterkarte gemalte Erweiterung konnte das nicht ändern. Zwei wichtige Dinge konnte man lernen:
– a) das Wetter richtet sich nicht wirklich nach Amateurmeinungen und Filzstiften
– b) es kommt leider nur bei so unbegründeten und falschen Voraussagen vor,
dass am Ende doch alles besser wird.
Leider ist das bei den aktuellen Klima-Prognosen nicht so. Sie sind extrem gut begründeter wissenschaftlicher Konsens weltweit (laut einer neuen Studie stimmen 99,94% der Klimaforscher in über 50000 Studien zwischen 1991 und 2015 darin überein). Nicht nur die Güter dieser Erde sind begrenzt, sondern das Klima ist auch von einem Gleichgewicht abhängig, das durch uns Menschen völlig aus der Bahn zu geraten droht. In der Bibel wird uns unser Lebensraum, den wir ja nicht uns selbst verdanken, ganz anders ins Stammbuch geschrieben. Im Buch Genesis zu Beginn der Bibel heißt es (Kap. 2 V. 15) darüber:
15 Und Gott der Herr nahm den Menschen
und setzte ihn in den Garten Eden,
dass er ihn bebaute und bewahrte.
Hat die Menschheit diesen Satz irgendwie missverstanden oder aus ihrem kulturellen Gedächtnis gestrichen? Seit der ersten industriellen Revolution und der sprunghaften Ausbreitung der Menschen sind wir Menschen jedenfalls fast nur noch dem ersten Teil gefolgt: wir bebauen unseren Lebensraum mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, bis hin zum Ausplündern.
Wenn wir aber Gottes zweiten Auftrag nicht ernst nehmen, diesen vorgefundenen, geschenkten Lebensraum auch mit der nötigen Bescheidenheit und dem nötigen Weitblick zu bewahren, dann verlieren wir ihn.

Nächste Woche stehen weltweite Demonstrationen zur Rettung des für alle lebenswichtigen Klimas an, auch hier in Wuppertal. Und am Jahresende kommt die nächste Weltklimakonferenz, bei der es um die Zukunft der Menschheit geht. Als Christ kann ich nicht anders, als heute in der Predigt ohne Wenn und Aber zu erinnern, was die Stunde geschlagen hat. Ich tue das nicht aus Panik oder besserwisserisch. Ich möchte nur aus Verantwortungsgefühl und Liebe auch für uns folgende Generationen mit wacher Aufmerksamkeit, gutwilliger Bereitschaft, Lust und Liebe Verhalten ändern und Schlimmes möglichst abwenden.
In der Predigt will ich drei Dinge ansprechen:
– 1. eine kurze Zusammenfassung der Ausgangslage
– 2. verschiedene Reaktionen auf diese Ausgangslage, und
– 3. unsere Chance.

1. Die Ausgangslage
Manches werden Sie schon gehört haben, auch wenn es immer noch Menschen gibt, die es lieber nicht so genau wissen wollen:
Die Forschungen der Fachleute weltweit haben zu unabweisbaren Erkenntnissen geführt. Seit 1888, also dem Beginn des industriellen Zeitalters, sind die Temperaturen innerhalb von nur 130 Jahren bis 2019 um 1,25° gestiegen. Die Wahrscheinlichkeit ist im Augenblick sehr hoch, dass die Erde die Grenze von 1,5° Erwärmung schon im Jahr 2050 erreicht haben wird.
Die Wissenschaftler warnen uns ein-dringlich: Wenn wir die Begrenzung auf 1,5° nicht einhalten und es so weiter geht, erhöht sich nicht nur das Ausmaß der Wetter-Katastrophen mit jedem Zehntel Grad weiter stark. Bereits 2050 könnte dann auch im mittleren Westen der USA kein Getreide mehr angebaut werden, auch nicht in Zentralafrika südlich der ­Sahara. Bei 2° Erderwärmung wenige Jahrzehnte später würden dann schon doppelt so viele Menschen unter Dürre, Hunger, Ausfall von Fisch-fang leiden wie bei 1,5°.

Es wird also nicht allmählich schlimmer, sondern es kippt komplett aus der Bahn. Im Jahr 2100 würde die Menschheit voraussichtlich bei 4° zusätzlicher Wärme landen. So viel Co2 und Wärme gab es zuletzt auf einem praktisch menschenleeren Planeten vor 3 Mio. Jahren. Der Meeresspiegel war 15 m höher und sehr viel „Land unter“. Heute würde es nicht bloß zu diesem Zustand zurückgehen, sondern durch Menschen-Einfluss eher in Richtung eines dauerhaft schwer bewohnbarem Steppen- und Wüstenplaneten, mit extremen Klimaschwankungen und Stürmen, der völlig aus dem Gleichgewicht gerät. Die Folgen wären für alle, die auf diesen Lebensraum angewiesen sind, unabsehbar: Hungerkatastrophen, unkontrollierbare Flüchtlingsströme eines großen Teils der Menschheit, nicht endende Naturkatastrophen und unmenschliche Verteilungskriege um wenige übrigbleibende Ressourcen.
Deshalb war es alles andere als eine beiläufige nette Verabredung, als beim Pariser Klimaschutzabkommen endlich verabredet wurde, die Temperaturwerte im Ganzen bis zum Jahr 2100 höchstens um 2° steigen zu lassen – oder wenn irgend möglich nur um 1,5°. Um das zu schaffen, müssten die Staaten der Welt alle zusammen laut Weltklimarat bis 2030 45% weniger CO2 in die Luft blasen als jetzt. Im Jahr 2050 müsste komplett Schluss sein mit CO2-Emissionen, also unsere Bilanz ausgeglichen sein. Wohlgemerkt: das ist zwingende Voraussetzung für menschliches Leben in der jetzigen Form!

2. Die Reaktionen
Bei den Reaktionen menschelt es positiv wie negativ. Auf Fridays for Future und andere Mahnungen und Hinweise reagiert nicht jede/r begeistert. Viele wünschen sich, dass Leben einfach so weitergeht wie gewohnt.

Beispiele dafür:
a) Vertagung und Verdrängung des unbequemen Themas
Beim geringsten Kratzen an den gewohnten Lebensverhältnissen kann es für manche Menschen nur eine Reaktion geben, die ziemlich extrem ist und ungefähr so geht: „Das passt mir aber jetzt gerade gar nicht gut. Das ist so unbequem und hieße ja, ich kann nicht genauso weiterleben und bleiben, wie ich bin. Vielleicht behaupte ich lieber einfach, das sei alles Quatsch. Ein großer Irrtum. Oder eine Verschwörung. Und dann lass ich mir beharrlich und träge einfach nie das Gegenteil beweisen, bis ich tot bin. Bis dahin hätte ich immerhin noch viel Spaß mit Mallorca-Wochenend-Flügen für 30 € und meinem Porsche Cayenne. Danach ist es ja egal. Jedenfalls mir.“
Was wurde nicht alles bemüht, um solchen Seelenlagen gerecht zu werden! Geologen sollten belegen, dass Klimaschwankungen ganz natürlich und unschädlich seien. Leider gilt aber beides für die jetzt nachweislich von Menschen gemachten nicht. Und wie Schweizer Wissenschaftler nachgewiesen haben, fanden frühere Temperaturschwankungen zu menschlichen Zeiten nur lokal statt und nicht global. Es gibt also keinen gültigen Einwand gegen die Sachlage. Auch nicht von der AfD, von Donalds und ihren Freunden oder anderen.

b) der Scheinheiligkeits-Wettbewerb
Statt die Ärmel aufzukrempeln und Probleme anzugehen, gibt es auch andere, für viele Menschen sehr reizvolle Alternativen, wie den Wettbewerb der Scheinheiligkeit.
Das unerträglichste ist doch, sich bei einer falschen Lebensweise ertappt zu fühlen, oder? Was ist dann das beste? Natürlich der Gegenvorwurf! Denn das weiß ja jede/r, sobald der Gegenvorwurf da ist, hebt sich das alles irgendwie auf und man kann einfach so weiter machen wie bisher und sich gut fühlen. Diese Logik sagt praktisch: „Ich bin kein Schwein, weil Du wahrscheinlich ein noch größeres bist. Jedenfalls nehme ich das einfach mal zu meinen Gunsten an.“ Das ist einfache Alltagslogik: „Ich tue scheinheilig, also bin ich.“
In Wahrheit ist unser Status so, wie der Apostel Paulus ihn im Römerbrief (3,23) benennt: „Sie haben alle was auf dem Kerbholz, und stehen vor Gott nicht unbekleckert da“. Das heißt, man kann sich die ganzen gegenseitigen Vorwurfs- und weiße-Weste-Rituale komplett sparen. Geh getrost davon aus, dass Du genau wie Dein Gegenüber ein Klima-Sünder bist! Die einzige sinnvolle Folge wäre dann, dass man nicht auf andere zeigt, sondern im Bewusstsein um die eigene Unzulänglichkeit ohne Überheblichkeit mit anderen zusammenarbeitet, um das Problem zu lösen – während man die Verbesserung des eigenen Verhaltens übt.

In der Schriftlesung haben wir heute auch gehört, wie Jesus sagt: „Gib nicht so mit jedem kleinen gesellschaftlichen Beitrag in Form von Almosen an. Gott sieht das nicht gerne und rechnet dir davon dann nix mehr an!“ An anderer Stelle hat Jesus sinngemäß gesagt: „Bilde dir bloß keine moralische Überlegenheit über andere ein! Der Splitter, den Du im Auge des anderen siehst, könnte viel kleiner sein als der Balken in deinem eigenen Auge!“

Aber statt sich an die eigene dicke Nase zu fassen, gehen Menschen oft lieber in die scheinheilige Gegenvorwurf-Offensive, ermutigt von niedrigen und widerwärtigen Formen von Boulevard-Journalismus. Das geht dann so: Irgendwelche Menschen aus Greta Thunbergs Umfeld werden mit viel Recherche dabei ertappt, dass sie ihrer Bootsfahrt im Flugzeug folgen. Es folgt ein Medienaufschrei, und Menschen beim Einkaufen säuseln im gemischten Dumpfbacken-Chor: „Hast du das gehört? Die kann uns gar nichts mehr über CO2 sagen!“ Ja, dann ist ja alles gut, wenn die uns gar nichts sagen kann! Solange die eigene Scheinheiligkeit wieder hergestellt ist, kann das Klima dann ja getrost weiter kaputtgehen. Hauptsache, wir fühlen uns dabei nicht moralisch unterlegen! Wenn jemand sich lieber ins Knie schießt als zuzugeben, sich ändern zu müssen, ändert sich durch dem Schuss ins Knie auch was, oder?

c) symbolischer Aktionismus statt realem Handeln
Das ist eine Versuchung, der Politiker oft schwer widerstehen können: Sie stehen im öffentlichen Rampenlicht. Sie können schlecht sagen: „Die Zukunft der Menschheit geht mir am Arsch vorbei. Alle, die das auch so sehen, sollen mich wählen“. Da fällt mir allerdings ein: inzwischen gibt’s das ja so dreist auch: Menschen die öffentlich sagen, dass sie keinen Plan haben, und von ihren gleich tickenden Anhängern dafür geliebt werden, wie konsequent sie darin sind.

Also sagen wir lieber: herkömmliche Politiker sagen nicht gerne: „Ich möchte für mein Nichtstun, meine Inkompetenz und meine seltsame Gesinnung gewählt werden.“ Schon liegt sie nahe, die Versuchung, zwar aktiv und lösungswillig zu erscheinen, aber es nicht wirklich sein zu müssen. Ein zuständiger Minister könnte zum Beispiel in seinem Ministerium Leute zielorientiert ausrechnen lassen, dass seine geplanten, uns natürlich kaum spürbaren und belästigenden Maßnahmen SEHR viel CO2 einsparen. Wäre das nicht nett?
Der Mensch könnte öffentlich als aktiver Klimaretter auftreten. Blöd wäre nur, wenn jemand sagen würde: „Wir würden deine Berechnungen gern mal sehen, um die Angaben durch unabhängige Fachleute gegenzurechnen“. Noch blöder wäre, wenn dabei rauskäme, dass die Maßnahmen bestenfalls die Hälfte des angeblichen Effekts hätten. Aber, sagt sich der Symbolpolitiker: das kommt ja nie raus! Ich kann doch einfach die internen Berechnungen unter Verschluss halten, dann kann das keiner nachrechen! Vielleicht denken Sie jetzt: wäre das nicht unvorstellbar in unserer Demokratie? Werfen Sie einfach mal einen Blick in die aktuellen Nachrichten in unserem Land!

d) das Schwarze-Peter-Spiel: eigene Verantwortung kleinreden und anderen hinschieben
Ein gern geäußertes Schein-Argument lautet: Deutschland trägt doch nur 2% zum weltweiten CO2-Ausstoß bei. Also ist es doch ziemlich egal, was hier passiert, denn nur die anderen 98% können sich vielversprechend um das Problem kümmern.
Dieses Scheinargument übersieht gleich mehrere Kleinigkeiten:
– erstens ist das mit den 2% eine Milchmädchenrechnung. Seit Beginn der industriellen Revolution gehörten die großen europäischen Staaten, Deutschland führend, und dann auch die USA zu den mit großem Abstand stärksten CO2-Verursachern. Die Gesamt-Verantwortung dieser Länder, auch unsere, ist also viel höher als ihr aktueller Beitrag, während viele Schwellenländer erst seit begrenzter Zeit das Problem mit verursachen.
– zweitens gelingt nie und nirgends etwas, wenn alle alles auf andere schieben. Genau umgekehrt wird ein Schuh draus: wenn die, die geschichtlich besonders viel in die Luft gepustet haben und immer noch pusten, mit ihrer so erreichten großen wirtschaftlichen Kraft mit gutem Beispiel vorangehen, ist das die beste Chance, auch andere zu überzeugen und zur Rettung des Klimas an Bord zu bekommen. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter hat Jesus uns allen klargemacht: Es gibt keine vorgefertigte Definition für deine Zuständigkeit. Aber das heißt nicht, dass du keine hast! Es ist umgekehrt: nur da, wo du dich unaufgefordert und vielleicht sogar scheinbar unzuständig eines Menschen oder einer Sache annimmst, kann deine Verantwortung Gestalt annehmen und überhaupt etwas gut werden!
Denn es ist noch nie ein Problem durch Warten auf die vermeintlich richtige Zuständigkeit (möglichst fern von mir oder uns) gelöst worden! Wenn ich also eine Problemlösung brauche, verzichte ich besser auf dies Gerede von „wir oder ich sind kaum der Rede wert und können nichts tun“. Nur wo an vielen kleinen Stellen Menschen Verantwortung übernehmen, kann auch das Ganze gut werden.

e) „es darf keine Verbote geben“
Diesen quasi neureligiösen Glaubenssatz höre ich in letzter Zeit häufig:
„Es darf keine Verbote geben, höchstens ein paar Anreize. Alles sollte auf Freiwilligkeit basieren. Sonst können wir nicht mehr mündig in Freiheit leben!“

Erstaunt halte ich inne und bremse an der roten Ampel. Ich denke bei mir: wieso hier halten? Ist die Straßenverkehrsordnung nicht ein Skandal? Hindert sie uns nicht, mündig in Freiheit zu leben und durch praktisches Ausprobieren her-auszufinden, wer gerade Vorfahrt hat? Wieso ist mir verboten, mein Altöl in Nachbars Garten abzulassen? Warum ist das nicht mit Anreizen statt Verboten geregelt. Waffen für alle zum Beispiel, dann würde sich jeder Nachbar das zweimal überlegen und man hätte einen Anreiz, das nicht zu tun. Diese ganze Verbotskultur macht einen wahnsinnig, oder? Und dann dieses Strafgesetzbuch: nimmt uns das nicht jede Freiheit, zu klauen und zuzuschlagen? Oder die Bauordnung: warum kann ich ohne Genehmigung mein Dach nicht mit einem schönen Kirchturm nach oben verlängern?
Und wenn wir schon bei Kirchturm sind: hat nicht die Bibel mit dieser ganzen Verbotskultur angefangen? Warum war Gott nicht damit zufrieden, dass Kain und Abel alles selbst und freiwillig regeln? Warum kam er auf einmal mit den 10 Geboten an, von wegen nicht Töten und so? Jetzt kommen andere und sagen: du sollst den Planeten nicht töten, weil das Lebensraum ist und vielen Leben nimmt.

Dabei wissen wir doch alle: wenn man Menschen nur lässt, handeln sie, solange es freiwillig ist, immer so wohlüberlegt: in Zeiten der Klimadebatte z.B. kaufen weltweit so viele Riesen-SUVs wie nie zuvor. Sie glauben freiwillig, dass ein 2,5-Tonner mit dem Luftwiderstandsbeiwert eines Bremsfallschirms wahrscheinlich die smarteste Möglichkeit ist, einen kleinen Einzelmenschen von Punkt A nach B zu bringen. Nebeneffekte, wie anderen die Sicht zu versperren, auf kleinere Autos runterzugucken oder mit dem fahrenden Blechberg im Fall eines Unfalls dann durch Kleinwagenzeug zu kommen wie ein Buttermesser durch Butter, all das nehmen sie dabei gern in Kauf. Sie glauben auch freiwillig, dass ihr Blechberg laut Prospekt nur 4,5 Liter verbraucht. Menschliche freiwillige Einsicht hat eine so überwältigende und beeindruckende Bilanz, dass wir uns fragen sollten, warum zum Beispiel nicht auch die Steuern von jeder und jedem freiwillig nach eigenem Ermessen bezahlt werden. Sollte man da nicht auf demselben Wege das Klima verbessern? Und sollte man nicht bereitwillig die ganzen Verbote vergessen, mit denen uns exakt dieselben Politiker pausenlos überschüttet haben, die jetzt auf einmal ständig von Freiwilligkeit sprechen???

3. Unsere Chance: Gemeinsam an Lösungen arbeiten, mit allem was nötig ist
Ich habe ihnen beispielhaft fünf typische menschliche Reaktionen vor Augen geführt, die völlig unsinnig sind und die nie irgend einen positiven Effekt für irgendwas hervorbringen werden. Achten Sie mal darauf, wie regelmäßig diese bekloppten Reaktionen Ihnen in der Öffentlichkeit immer und immer wieder begegnen werden.

Dann wissen Sie bestimmt die Alternative zu schätzen, die es, Gott sei Dank, auch noch gibt!
Sie mag unwahrscheinlich wirken, aber zwei oder drei Dinge sprechen doch für sie. Diese Möglichkeit ist tief in der Bibel verwurzelt und heißt schlicht Umkehr! Umkehren von einem falschen Weg, und gemeinsam alles tun, was für den besseren Weg nötig ist, das ist eine selbstverständliche und gute Option, nicht nur für Christen! In Jeremia 8 mahnt der Prophet:
„So spricht der HERR:
Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde?
Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme? …
Ich sehe und höre, dass sie nicht die Wahrheit reden.
Es gibt niemand, dem seine Bosheit leid wäre und der spräche:
Was hab ich doch getan!
Sie laufen alle ihren Lauf wie ein Hengst,
der in der Schlacht dahin stürmt.“
Gott will uns aus diesem irren und ungezügelten Rennen in die falsche Richtung heraus helfen! Wir sollen gemeinsam einen Weg finden, den Lauf in den Abgrund zu unterbrechen!

Es steht an, dass wir intensiv nachdenken, innehalten, Neu-Orientierung suchen! Es steht an, dass wir uns in dieser Umkehr lange und beharrlich austauschen für mögliche Lösungen!
Dabei wollen wir jedesmal lieber bei uns anfangen, mit kleinen ersten Schritten, vor Verweisen auf andere und vor allen allgemeinen neuen Regelungen: das jedenfalls verstehe ich unter Freiwilligkeit! Freiwilligkeit heißt NICHT, als erstes mit dem Finger auf andere zeigen.
Größere Schritte sollten bald folgen. Und wenn wir in einer Demokratie auch nötige Regeln und Verbote verabreden, damit alles gut werden kann, dann tun wir das mit Blick auf Lebensrettung: so wie jemand Lebensmittelrationen einteilt, um nicht vor dem Ziel zu verhungern. Oder wie jemand Ampeln aufstellt, damit nicht Autos ineinander rasseln. Denn Ankommen und Überleben ist viel wichtiger in so einem Fall, als es sich augenblicklich bequem zu machen und kurz gut zu fühlen!
Wir brauchen deshalb rettende Klima-Regeln als Verabredungen für uns alle! Und um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Die Liebe Gottes ist nicht nur für uns verwöhnte Bewohner eines reichen Landes in der aktuellen Gegenwart da. Sie gilt keinen noch so winzigen Deut weniger genauso für unser Kinder, Enkel und Nachkommen! „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ sagt Jesus zu Beginn seiner Wirksamkeit, und sinngemäß weiter: „Denn Gottes Reich ist uns so nahe, dass wir Umkehr finden und nach seiner Art Leben bewahren und blühen lassen können!“
Gottes Geist befähigt uns dazu!
Jede und jeden!!
In aller nötigen Fülle von Ideen und Kraft!
Es gibt keine guten Ausreden!

Wenn mir jemand sagt, dass es bei einem drängenden Problem 5 vor 12, also höchste Zeit ist, und ich das Schlimmste noch abwenden kann, dann ist das aus meiner Sicht keine deprimierende Nachricht. Nein es ist eine unglaublich wichtige, schöne und motivierende Botschaft! Wir haben eine Chance!! Also kriegen wir die müden Hintern hoch und fangen mit Lösungen an! Die Klima-Demonstration am kommenden Freitag um 11 Uhr vom Elberfelder Hbf aus rettet noch kein Klima. Aber sie hilft uns, diese nötige Bewegung zu verstärken. Ich werde in unserer Kirche, während der Zug über die Engels-Alle geht, eine Andacht um 12 Uhr halten, die vorher mit einem symbolischen „Fünf-vor-Zwölf-Glockenläuten“ eingeleitet wird: das ist keine Totenglocke, sondern der Weckruf des Evangeliums an uns alle! Wer möchte, kommt dazu.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,
segne und bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Dirk Frickenschmidt